
Vor allem optisch gelungen: „Die Schöne und das Biest“ auf Tour
Seit 30 Jahren existiert das Musical „Die Schöne und das Biest“ von Martin Doepke (Musik), Elke Schlimbach und Grant Stevens (Songtexte) sowie Christian Bieniek (Buch). Nun ist das Stück in einer neuen Inszenierung von Alex Balga auf Jubiläumstour von Manfred Hertlein und Showslot und zeigt eindrucksvoll, dass es weit mehr als nur eine Alternative zur bekannteren Disney-Version ist (und übrigens nahezu zeitgleich mit dem Disney-Musical zur Uraufführung kam). Basierend auf dem ursprünglichen französischen Volksmärchen „La Belle et la Bête“, entfaltet die Produktion ihren ganz eigenen Zauber.
Bereits das Erscheinungsbild ist für eine Tourproduktion erstaunlich gut. Sam Madwars Bühnenbild besticht mit einer prächtigen Schlossmauer, einem imposanten Tor und stimmungsvollen Fackeln. Besonders originell sind die beweglichen Treppen, die flexibel verschiedene Schauplätze entstehen lassen. Das Dörfchen wird mit großformatigen Fotodruck-Kulissen zum Leben erweckt, was sich als clevere und optisch ansprechende Lösung erweist. Außerdem zeigt sich Michael Grundner wieder mal als Zauberer, der mit seinem exzellenten Lichtdesign die Bühne in die passende Atmosphäre hüllt – mal märchenhaft, mal düster-bedrohlich.

Auch die farbenfrohen und fantasievollen Kostüme von Mara Lena Schönborn tragen zur Atmosphäre bei. Besonders hervorzuheben sind die detailreichen Verwandlungskostüme – etwa die als Cello oder Sessel verwandelten Schlossbewohner. Moderne Akzente sorgen für einen gelungenen Brückenschlag in die Gegenwart: Gustav tritt mit schwarzen Lack-Boots und Sonnenbrille auf, während Bellas Schwestern modische Sneaker tragen. Die Maske des Biestes (Perücken und Make-up: Daniela Skala) erinnert an die ikonische Gestaltung aus der US-Fernsehserie „Die Schöne und das Biest“ von CBS.
Regisseur Alex Balga gelingt es, das schwache Buch von Christian Bieniek optimal zu inszenieren und der Erzählung Tempo und Dynamik zu verleihen. Dabei unterstützt ihn Natalie Holtoms Choreografie, die besonders in den Ensemblenummern für Energie sorgt.
Musikalisch bleibt die Produktion eingängig. Martin Doepkes Kompositionen pendeln gekonnt zwischen emotionalen Balladen und pop-rockigen Klängen, die ins Ohr gehen. Einziges Manko: Bei der besuchten Vorstellung in Bremen fehlt es den Orchester-Playbacks an Lautstärke – hier hätte man sich mehr Wucht gewünscht. Die Songtexte von Elke Schlimbach und Grant Stevens bedienen sich zudem teils einfacher Reime, was das Gesamterlebnis schmälert.

Schauspielerisch wie gesanglich überzeugt Florian Resetarits als Biest, der aber buchbedingt hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt, da die Rolle relativ wenig Bühnenzeit und kein herausragendes Solo hat. Bianca Basler gibt eine starke Bella mit viel Herz und grandioser Stimme. Martin Berger als Vater Wilhelm sorgt für warmherzige Momente und glänzt mit seinem volltönenden Bariton, während Daniela Tweesmann als märchenhafte Fee nicht nur großartig singt, sondern auch ein hervorragendes komödiantisches Timing beweist.
Livia Wrede gefällt mit schöner Stimme als Mathilde, Malcolm Henry als Dorfmacho Gustav bringt Humor ins Spiel und lässt im zweiten Akt mit einem rockigen Song aufhorchen, wenn sich ein wütender, von Gustav angeführter Mob auf den Weg zum Schloss begibt. Für weitere Lacher sorgen zudem Margot Baars und Maja Dickmann als Bellas schrille Schwestern Grete und Ilse, die wie eine witzige Hommage an Aschenputtels böse Stiefschwestern wirken.
Trotz der Schwächen im Buch, den teilweise einfallslosen Songtexten und gelegentlichen Defiziten in der Soundabmischung, verspricht Doepkes „Die Schöne und das Biest“ dennoch einen kurzweiligen und vor allem optisch gelungenen Musicalbesuch.
Text: Dominik Lapp
