
Mitreißende Neuinszenierung: „Footloose“ auf Tour
Ein Jahr nach der letzten Tournee bringt Showslot das Musical „Footloose“ von Tom Snow (Musik), Dean Pitchford (Buch und Songtexte) und Walter Bobbie (Buch) erneut auf die Bühne – diesmal in einer neuen Inszenierung von Erik Petersen, der das Stück schon einmal am Staatstheater Darmstadt inszeniert hat.
Petersen setzt bei der Tourproduktion wie damals in Darmstadt auf eine starke Figurenzeichnung und betont besonders die inneren Konflikte der Charaktere, was dem Stück die nötige Tiefe verleiht, so dass die Show nicht nur von ihren großen Hits der Achtziger lebt. Gerade die emotionalen Spannungen zwischen Ren, Ariel und ihrem Vater, Reverend Moore, gewinnen so an Intensität.
Die Choreografie von Nicole Eckenigk und Timo Radünz strotzt vor Energie. Die Darstellerinnen und Darsteller bringen eine Dynamik auf die Bühne, die den Geist der Achtzigerjahre perfekt einfängt und gleichzeitig eine moderne Frische mitbringt. Hier spürt man das Herzstück des Musicals: die unbändige Kraft der Jugend, die sich nach Freiheit sehnt und diese durch Tanzen auslebt.

Das Bühnenbild von Sam Madwar fällt durch den Umstand, dass es tourtauglich sein muss, reduzierter aus, erfüllt jedoch seinen Zweck und ist wirklich hübsch anzusehen. Besonders das Haus der Familie Moore, die Kfz-Werkstatt und die Kirche sind atmosphärisch stimmig umgesetzt und lassen kaum Wünsche offen. Zudem trägt das Lichtdesign von Michael Grundner erheblich zur Wirkung der Inszenierung bei – mit großartigen Stimmungen, die die Szenen eindrucksvoll unterstreichen.
Die Kostüme von Mara Lena Schönborn sind hochwertig sowie zeitgemäß gestaltet und überraschen mit Farben und Schnitten. Bei einigen sorgen Strass und Pailletten für den passenden Bling-Bling-Effekt. Doch manche Perücken der Darstellerinnen sorgen dagegen für Stirnrunzeln. Warum man im Musicalgenre noch immer so oft auf Perücken setzt, wo es selbst in der Oper längst üblich ist, das Naturhaar der Sängerinnen und Sänger zu akzeptieren, bleibt fraglich.
Eine sonst so hochwertige Produktion büßt durch billig aussehende Perücken erheblich an Qualität ein. Vor allem stellt sich die Frage, warum es immer die Frauen sind, die Perücken tragen müssen, während die Männer viel öfter mit ihrem Naturhaar auf die Bühne dürfen. Eine schnittige Naturfrisur, selbst wenn sie aus der Zeit der Handlung fällt, würde so manch einer Inszenierung noch zusätzliche Frische und Authentizität verleihen.

Schauspielerisch und gesanglich überzeugt das Ensemble durchweg. Magnus Jahr gibt einen charismatischen Ren, dessen Mischung aus jugendlicher Rebellion und Verletzlichkeit authentisch wirkt. Helena Lenn als Ariel punktet mit starker Stimme und emotionalem Schauspiel, während Ethan Freeman als Reverend Moore eine beeindruckende Bühnenpräsenz zeigt.
Positiv hervorzuheben ist zudem Femke Soetenga als Vi, deren nuanciertes Spiel für berührende Momente sorgt. Auch Nadine Kühn als Rens Mutter Ethel gelingt eine einfühlsame Performance. Jens Emmert als Willard liefert mit dem richtigen Timing viele humorvolle Highlights, während Zoe Staubli als Rusty mit Temperament und Powerstimme das Publikum für sich gewinnt. Julius Störmer als Chuck gibt den perfekten Gegenspieler mit gefährlicher Ausstrahlung.
Insgesamt ist diese „Footloose“-Neuinszenierung also ein mitreißendes Erlebnis, das mit starken Charakteren, grandioser Choreografie und durchdachter Regie überzeugt. Trotz kleinerer Abzüge bei den Perücken zeigt Showslot hier eine temporeiche und emotionale Produktion, die absolut sehenswert ist.
Text: Dominik Lapp